
Geisterfahrer Zurück in die Zukunft - Live 1979 CD
Musik für gute Leute
Nur undeutlich
entsinne ich mich, als ich so um 1982 herum mir die LP
„Fest der vielen Sinne“ von Geisterfahrer
im damaligen „Boots“-Plattenladen in meinem
Heimatstädtchen anhörte. Keine Ahnung, was ich erhofft
hatte, wahrscheinlich irgend etwas, was sich anhört,
als hätte es auch auf „Soundtracks zum Untergang
1 bzw. 2“ sein können, geboten wurde jedenfalls
eine krude, atonal wirkende und schwer verkopfte
avantgardistisch anmutende Ansammlung von Dissonanzen,
die mich 15-jährigen Kidpunk nicht berührte. Da wurde
das wenige Taschengeld lieber in die Hass LP
„Hass allein genügt nicht mehr“ investiert,
wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe. Danach
habe ich mich 25 Jahre lang nicht mehr mit
Geisterfahrer beschäftigt.
Nun liegt ein
Tondokument in Form einer CD vor, die zwei Konzerte der
Band aus dem Jahr 1979 beinhaltet, eines davon auf dem
legendären „In die Zukunft“-Festival in
Hamburg, auf dem Geisterfahrer allerdings angesichts
von Mitstreitern wie Hans-A-Plast, KFC, Buttocks, ZK
und Male „etwas“ aus dem Rahmen fielen. Um
nicht zu sagen deplaziert wirk(t)en.
An dieser
Stelle sei ein Zitat erlaubt, das dem Cover der Live-LP
dieses Festivals entnommen wurde: „Die
mit Abstand widerlichste Erscheinung habe ich mir zum
Schluß aufgespart: Geisterfahrer, ein neues
Retortenprodukt, das gottseidank seinen set frühzeitig
abbrechen musste. Einen derartig dekadenten (hier passt
das Wort mal) Intellektuellen-Scheißdreck wie den habe
ich wohl noch nie gehört.“
(Aus Rock-Musik
Nr. 3/ Hamburg).
Das Ganze hat also mit
herkömmlichen Hörgewohnheiten nicht viel zu tun, es
erklingen eher schräg-experimentelle Klangkollagen und
monoton sich wiederholende Elektro-Minimalismen. Dazu
eine unglaublich simpel vor sich hinsägende Gitarre und
sich ebenfalls monoton wiederholende plakative
Textpassagen, die eher zufällig wirken, fast wie
improvisiert.
Insofern sehr nahe an der Grundidee
des Punk, der DIY-Gedanke quasi auf die Spitze
getrieben. Das ist Dadaismus in Reinkultur, wenn man so
will. Aber Dada habe ich auch nie verstanden, obwohl
ich mir einmal ein Reclam-Heftchen zum Thema kaufte
(„Dada Berlin“) und es vollständig
durchlas. Was blieb war nur ein großes Fragezeichen.
Genau das sah ich beim Abspielen der CD vor meinem
geistigen Auge erneut. Die Punks, die auf dem „In
die Zukunft“-Festival weilten, schienen mit der
Performance auch nicht viel anfangen zu können, deren
Reaktion ist ebenso lustig, wie verständlich.
Stichwort: Konzertabbruch!
Der zweite Auftritt,
der hier dokumentiert ist, fand an der Hochschule für
bildende Künste in Hamburg statt und das passt auch
deutlich besser. Protagonist Holger Hiller, später bei
Palais Schaumburg (auch nicht jedermanns Sache), selbst
Kunststudent zu jener Zeit, wurde hernach semibekannt,
als die Toten Hosen ihn in ihrem Song „Jürgen
Engler gibt ´ne Party“ erwähnen (B-Seite der
„Wir sind bereit“ EP /1982), der sich über
elitäre Bohème-Typen lustig macht. Auch irgendwie
bezeichnend. Die Aufnahmequalität der beiden Auftritte
geht in Ordnung, auch wenn man angesichts des Alters
keine Wunder erwarten darf.
Die CD im schicken
DVD-Tray stellt ein interessantes Tondokument aus einer
wilden Zeit dar, in der vieles noch möglich war,
definitiv nicht angelegt, um jedermann zu gefallen. Wie
hoch allerdings die Zahl der avantgarde- und
kunstbeflissenen Mololo Plus – Leser sein mag,
darüber ließe sich trefflich philosophieren. Sir
Paulchen
30. Mai 2007 |
www.nlw.backagain.de
GEISTERFAHRER
Zurück
in die Zukunft – live 1979 CD
nlw.backagain.de
Der
erste GF Auftritt beim „In die Zukunft –
Punk bis zum Untergang“ Festival am 26.06.1979 in
der Hamburger Markthalle geriet zum Fiasko. Holger
Hiller, Hans Keller, Michael Ruff und Matthias Schuster
standen mit ihrem Sound, bestehend aus Krachschleifen,
analogen Synthesizern, Gitarren und Rhythmusbox, im
krassen Gegensatz zu Gruppen wie KFC oder den BUTTOCKS.
Sampling pur würde man heute sagen, aber Sampling
musste ja noch erst erfunden werden. Mit dem Zyklus
„Simpel 1-4“ riss nicht nur die Geduld der
anwesenden Punks, es wurde auch Saallicht eingeschaltet
und der Band auf der Bühne der Strom abgestellt. Vier
Monate später, beim 2. Auftritt, diesmal an der
Hochschule für bildende Künste in HH, ist dann auch
Jürgen Weiß am Schlagzeug mit dabei. Zitat aus dem
Beiheft: „Wir hatten nur eine einzige Probe,
wodurch Jürgen fast alle Titel durcheinander brachte.
Aber gerade dadurch entsteht diese fiebrige,
hysterische Überdrehtheit, die GF ausmacht“.
Diese gelungene Zusammenstellung wirkt nicht nur
authentisch sondern klingt auch 28 Jahre später
erstaunlich spannend. (57:44) (7)
Kay Wedel
EISTERFAHRER - Zurck in die Zukunft - Live 1979



Geschrieben von Sascha
Bertoncin
21.06.07


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Label:Musik fr nette Leute
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Format:CD
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zu kaufen
Vorwärts nach
Gestern
Die Hamburger
GEISTERFAHRER gehören zwar nicht zur allerersten
Liga des deutschsprachigen 80’s Untergrunds, aber
in den richtigen Kneipen und Clubs trifft man auch 2007
immer noch auf eine Gattung Mensch, dem die Band
geläufig ist – und das in der Regel nicht einmal
vorrangig durch ihren Minihit „Himmel sei
Dank“.
Wie viele andere Veteranen zog es auch die
GEISTERFAHRER 2005 nochmal auf die Bühne und mit
„1979 – 1989“ gab’s die
dazugehörige Retrospektive. Quasi als Nachschlag kommt
nun „Zurück in die Zukunft – Live
1979“ in Form zweier Hamburger Konzertmitschnitte
noch dazu. Das Cover weist auf „historischen
Original Sound“ hin, was jedoch zumindest mir
allemal lieber ist als der überkomprimierte Klang der
meisten neueren Produktionen. Der Gesang könnte
vielleicht etwas besser im Gesamtmix integriert sein
– vermutlich gab es jedoch keine
Mehrspuraufnahmen, so dass nachträglich nur noch
begrenzt Korrekturen möglich waren.
Wie die beiden Mitschnitte recht gut
dokumentieren widersetzen sich
GEISTERFAHRER 1979 noch ziemlich stark stilistischen
Einordnungen. Der Auftritt beim „Zurück in die
Zukunft“-Festival, das eigentlich mehr oder
weniger für die Bandgründung ausschlaggebend war, ist
einerseits vom Hang zu experimentellen Sounds bestimmt,
während der Gesang durchaus auch klassische
Punk-Erwartungen erfüllt. Set Nummer Zwei (aus der
Hochschule für bildende Künste) oszilliert dann für
heutige Verhältnisse herrlich unbekümmert sich
Industrial, Rohpunk und Minimal Elektronik.
Das anwesende Publikum hatte hiermit durchaus seine
Probleme. Somit hat sich seit damals nicht viel
geändert – wer Erwartungshaltungen untergräbt
oder nicht bedient wird mit Liebesentzug vom Publikum
bestraft.
Trackliste:
01. Sehr entgegenkommend
02. Ufer
03. Zweischlag
04. Magazine
05. Simpel 1
06. Simpel 2
07. Simpel 3
08. Simpel 4
09. Dachau Blues
10. 2 Tage
11. Ufer
12. Magazine
13. l
14. Unschuld
15. Linientreue
Hier kommt der leise Tod! Ein Tribut an Die
Geisterfahrer
Plastic Frog / SX Distribution
&
Die Geisterfahrer
Himmel und Hölle - 3inch-CD
Dom Elchklang
„Ich war nicht begeistert, ich war
verwirrt“, heißt es in Knarf Rellöms
„Autobiographie einer Heizung“ über eine
frühe Begegnung mit Post-Punk. Eine
der für mich persönlich verwirrendsten Platten war
irgendwann mal die erste LP der Hamburger
Post-Punk-Gruppe Die Geisterfahrer gewesen. Sie war
offensichtlich inspiriert von der düster-stoischen
Punk-Weiterentwicklung der ersten Joy-Division-LP, aber
noch viel verstörender, weil zermürbter, unrunder, um
nicht zu sagen: versehrter. Sie sprang mich nicht in
Punk-Brett-Manier an, sondern taumelte auf mich zu und
schien dann irgendwie zusammenzubrechen. So ungefähr,
jedenfalls. Ihr Nicht-Gesang klang wie durch mehrere
Schichten eitrigen Verbandsmull hindurch gepresst und
zersetzte die ohnehin schon weitgehend aufgelösten
Texte noch weiter. Ein ästhetisch kondensierter Horror
vor Massenvernichtungswaffen hie und Friedensbewegung
da – Songtitel wie „Pestkreuze“ waren
in diesem historischen Zweifrontenkrieg eine
hervorragende Waffe gegen beide Seiten desselben
falschen Bewusstseins. Aus einer schnell einrastenden
Begeisterung für verwirrende Post-Punk-Düsternis als
„Zeitgefühl“ entstand dann wenig später
(die besagte LP erschien 1980) die Gothic-Bewegung
oder, um es auf banal-rockhistorisch zu sagen: Joy
Division bereiteten den Weg für Sisters of Mercy ...
Und Die Geisterfahrer wurden als „Godfathers of
German Goth“ verhaftet. Was jetzt mit einem
Tribute-Sampler noch mal ratifiziert wurde von
weitgehend unbekannten Gruppen aus Dark Wave und dem
verschwägerten Neo-Minimal-Genre. Mehrheitlich werden
die Originale dort zu gut geölten
Grufti-Disco-Schlagern umgebogen. Und anstelle von
deren Verstörtheit klappern die meisten InterpretInnen
die szeneüblichen Formen von Affirmation,
Eindeutigkeit, Klebrigkeit und verpeiltem Pathos-Kitsch
ab. Denn: These groups are made for stalking! –
Am ehesten gibt noch der Beitrag des Mainzer
Underground-Aktivisten Brandstifter eine ungefähre
Ahnung von seiner Vorlage. Passt insgesamt zu gut
– wenn auch nur als Fußnote – zur aktuellen
Post-Punk-Verstellung durch Wiederaufgriff und die
begleitenden Begeisterungsstürme des laufenden
Festivalsommers. Sehr gut hingegen der als matter Gag
getarnte Schlusskommentar von Klaus Fiehe:
„Achtung, Achtung, Ladies und Gentlemen! Die
Gefahr der Geisterfahrer auf bundesdeutschen Autobahnen
besteht nicht mehr!“ – quod erat
demonstrandum. Pikanterweise haben sich die wohl nie
ordentlich aufgelösten Die Geisterfahrer mittlerweile
ihren Epigonen angenährt; wie bereits die
letztjährige Neuaufnahme
ihrer ersten Single (ihrerseits damals die erste
Veröffentlichung auf Alfred Hilsbergs legendärem
Zick-Zack-Label) zu deren 25-jährigem Jubiläum bewies.
Auch sie ersetzte die Verschrobenheit der Originale
durch gängigen Dark-Wave-Stampf. Das auf „Himmel
und Hölle“ erstmals veröffentlichte
Studiomaterial aus dem Zeitraum 1991 bis 1994
zementiert diesen Eindruck mit halb-okayem, verhangenem
Post-Industrial-Gegrummel. Unverbindlich-düstere
Soundschollen – und zwar: je dichter, desto
unverbindlicher – dümpeln vor sich hin, in etwas,
das wohl Atmosphäre sein soll, aber doch nur wieder mal
Stimmung mit Spannung verwechselt – eine beliebte
Post-Industrial-Krankheit. Auch hier fehlt über weiten
Strecken bzw. Flächen etwas Gegenläufiges oder
Ausscherendes, das sich gegen die Tendenz zur
Klangpostertapete mit
Bedeutungsschwangerschaftsstreifen anstemmt. Jene Form
durch Formzerstörung, mit der Gruppen wie Die
Geisterfahrer einmal gegen die herrschende
Klangpostertapetenordnung angetreten waren. Wohl eher
unter die mediokren Veröffentlichungen des hinreichend
berüchtigten Dom-Elchklang-Labels zu
rechnen.
Frank
Apunkt Schneider
---------
Artist: Geisterfahrer
Title: "Himmel und Hölle"
Homepage:
http://www.thegeisterfahrer.de/
Label: Domelchklang
Kaum ist die WM vorbei - da ist auch wieder Zeit zum
Rezensieren. Und besonders viel
Freude macht das, wenn man eine CD auf dem Tisch liegen
hat, die schon von Außen
interessant wirkt. Nach aktuellen Vinyl- und
CD-Veröffentlichungen erwartet mich aus
dem Hause Schuster dieses Mal eine 3" CD mit raren,
bisher unveröffentlichten Stücken
der 90er Geisterfahrer-Ära. Genau genommen handelt es
sich um die lange vermissten
Tschernobyl-Bänder. Mit "Himmel und Hölle" lernt man
eine neue "other side" der
GEISTERFAHRER kennen, denn auf dieser Scheibe verbergen
sich sechs ultra-düstere,
Soundtrack-artige, boshafte instrumental Tracks.
Bereits das Intro "Lieb Tschernobyl"
läßt erahnen wohin die Reise bei dem bedrohlichen "vier
fünf" geht - direkt in die Hölle
nach der Katastrophe von Tschernobyl (Anm. d. Verf.:
meine Interpretation).
Der Bogen der Bedrohung (hauptsächlich durch die
sphärischen Klangteppiche und tiefen
Synthisounds) wird nach der Reise durch "So Na Mu" bis
hin zur "Sonne" stellenweise
durch freundlichere Passagen abgelöst. Ein kleiner
Hoffnungsschimmer kommt auf, doch
weit gefehlt. Bei "Eine Million" ist das Reaktorunglück
realer denn je. Sprachfetzen,
Kinderstimmen, Tod. "Salzzeit", läutet das Danach ein -
Leben wurde ausgelöscht.
"Himmel und Hölle" läßt den Ausgang der Geschichte mit
"Zen" offen.
Weder für die Disco, noch für wilde Tanzparties ist
"Himmel und Hölle" geeignet. Aber das
ist auch nicht das Ziel dieser gelungenen Mischung aus
Soundtrack und Meditationsmusik.
Der Hörer soll sich zurücklehnen, die Augen schließen
und einen ganz eigenen "Film"
erleben. Die Mini-CD geht in eine ähnliche Richtung,
wie heutzutage z.B. PREDELLA AVANT
mit Ihrem Album "Carbon Figures". Empfehlenswert also
für Fans der instrumentalen
Synthimusik, die es vermag, Geschichten zu
erzählen.
Coole Scheibe.
(Darkun)
Immer auf der Gegenfahrbahn
History 80er
GEISTERFAHRER
AvantgardeRock
Sie waren die erste Veröffentlichung Alfred Hilsbergs
legendärem ZickZack-Label. Und später wiederum die
erste Indie-Band, die zur Major-Konkurrenz ging.
Die
Hamburger Geisterfahrer entstanden 1979 zur
Pre-NDW/Postpunk-Ära, einer Zeit also, die heute
einhellig als eine der kreativsten und spannendsten
Epoche der deutschen Rockmusik gewertet wird. Damals
hieß das New Wave und später sortierte man sie
(un)sinnigerweise in die NDW-Ecke ein. Doch trotz oder
gerade wegen des unterschiedlichen Backgrounds der
wechselnden Mitglieder entstand eine Musik ganz eigener
Atmosphäre, die schwer in eine Schublade einzuordnen
war.
Der Kern der Band um die experimentierfreudigen
Matthias Schuster, Hans Keller, Michael Ruff und Holger
Hiller verstand sich als offenes Projekt, um mit
innovativen Klangstrukturen den Punkspirit weiter zu
entwickeln. Der Sound hatte allerdings mit Punk nicht
viel zu tun, sondern bewegte sich eher in
avantgardistischen Gefilden.
1980 erschien „Schatten voraus“, das seiner
Zeit in der Tat um Jahre voraus war. Mit
düster-lyrischen Texten und einer musikalischen
Mischung aus Gothic und elektronischen Geräuschen
steuerten sie geradewegs ins Dark Wave-Umfeld und
nahmen so stilistisch die neue deutsche Todeskunst
vorweg.
Holger Hiller stieg schließlich aus, um
Palais Schaumburg zu
gründen und mit Fähnlein Fieselschweif köstliche
Singles herauszubringen. Für Hiller kam Jürgen Weiss,
die Gruppe wurde deutlich rocklastiger. Mit
„Himmel auf Erden“ gab es sogar einen
kleineren Hit von ihrem Klassiker-Album „Fest der
vielen Sinne“, eigenwillig und rau, bis heute ein
Meilenstein deutscher Popkultur.
Die Geisterfahrer waren bei jeder Album-Produktion
immer wieder anders, nur Matthias Schuster war immer
beteiligt. 1986 verstärkte sich die Gruppe mit dem
„Kastrierten Philosophen“ Andy Giorbino,
einem der Urväter der Hamburger Avantgarde. Doch trotz
einiger weiterer hervorragender Platten blieb der
kommerzielle Erfolg aus. Die Gruppe starb einen leisen
Tod.
Obwohl alle Beteiligten schon seit Jahren ihre eigenen
Projekte verfolgen oder ganz aus dem Musikgeschehen
ausgestiegen sind, haben sich die Geisterfahrer nie
offiziell aufgelöst. Matthias
Schuster produzierte u.a.
Abwärts,
Andreas Dorau und
Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und
spielte bei Bal Paré
, Im Namen des Volkes, Ritual, Jeanette und das Land
oder Thermograph und
heute bei Das Institut. Michael Ruff betreibt seinen
„Ruff Records“-Plattenladen in Hamburg,
Jürgen Weiss lebt in Venedig und Hans Keller arbeitet
als Werbedesigner in Zürich.
Und was kaum einer für möglich hielt, waren die Helden
der politbewegten 80er 2005 urplötzlich -und 25 Jahre
nach ihren ersten Fahrstunden- wieder auf
Kollisionskurs. Es kam sogar im Zuge diverser
Wiederveröffentlichungen früherer Scheiben zu einigen
Live-Gigs, bei denen überzeugend belegt wurde, dass die
Geisterfahrer immer noch innovativ sind.
label
Zick Zack / Konkurrenz / Onomato Pop / pop-up records /
Plastic Frog / NLW
home Stellingen
net thegeisterfahrer.de / institut-schuster.de /
giorbino.de /
disco 1979-1989 (2005) · The G-Far-I (1989) · Stein
& Bein (1988) · The Other
Side
Of Geisterfahrer (1987) · Fisch Gott (1986) · Topal
(1983) · Fest der
vielen Sinne (1981) · Schatten voraus (1980) ·
Geisterfahrer (EP, 1980)
Matthias
Schuster:
Camera Obscura (Das Institut, 2005) Zukunftsmusik (Das
Institut, 2005) · Der kalte Garten (Das Institut, 2201)
· Das Institut (2000) ·
Hamburg-Paris - Bal Paré (1997) · Atemlos (1981)
Andy
Giorbino:
Schön (2005) · Überall Licht (EP m. Folke Jensen, 2002)
·
Les Fleurs Du Mal (m. David Myer/Sillywalks, 1997) ·
Bellymen (1996) ·
Whiteouts (1993) · The Art Of Letting Go (m. Folke
“Ledernacken” Jensen,
1989) · Between Shooting (Kastrierte Philosophen, 1987)
· Mit Anmut und
Würde (1982) · Frechheit siegt (1982) · Ivanhoe ( m.
Jäki Eldorado, 1982) ·
Lied an die Freude (1980)
Im Namen des Volkes
_____________________________________________________________
rtist:
Im Namen des Volkes
Title: "Weisses Rauschen"
Homepage:
http://www.nlw.backagain.de/
Label: NLW Records
Freunde
des minimalen Underground-Elektros können sich freuen,
denn eine Schlüsselfigur
der Szene ist in letzter Zeit so aktiv wie nie zuvor.
Gemeint ist niemand anderes als
Matthias Schuster; bekannt vor allem durch seine Band
GEISTERFAHRER und zahlreichen
Projekte wie DAS INSTITUT, BAL PARè etc. Nachdem vor
knapp 25 Jahren die erste Single seines
Projektes IM NAMEN DES VOLKES erschienen war und
bereits kurz darauf in Sammlerkreisen zu
Höchstpreisen gehandelt wurde, so ist nun endlich die
zweite Single offiziell im Handel
erhältlich. Genauso stilecht wie die Tatsache der
Veröffentlichung auf Vinyl, sind auch die vier
darauf enthaltenen Stücke: "Reaktorkern", das
Titelstück "Weisses Rauschen", System überlastet"
und "Dich sehn". Alle Songs sind aus eben der Zeit von
1979-1981 und wurden soundtechnisch
von Matthias Schuster im Institut aufbereitet. Mit den
sehr wavigen und elektronischen
Sounds wird auch nach so langer Zeit genau der Puls der
Zeit getroffen. Absolut geniale
Scheibe, die in jede ernstzunehmende (Elektro-, Wave-
und Minimal-) Sammlung gehört.
(Darkun)
Unglaublich
wie aktiv MATTHIAS SCHUSTER weiterhin in der Musikszene
mitmischt. Nicht nur neue Sachen werden z.B. mit dem
INSTITUT produziert, nein, es erscheinen auch
regelmäßig Veröffentlichungen mit sehr seltenen
Aufnahmen aus früheren Zeiten. Nachdem zuvor das
Soloalbum „Atemlos“ veröffentlicht worden
war, produzierte man 1986 im GEISTERFAHRER-Studio ein
düsteres Minimal-Gitarren-Elektro-Ambient-Wave Album
namens „Sprecht mit den Maschinen“, dass
ursprünglich auf dem damals in der Szene bekannten
Independance Label erscheinen sollte – wozu es
dann leider aus diversen Gründen nicht mehr kommen
sollte. Knapp 20 Jahre später erscheinen diese
gesuchten Tracks zusammen mit einigen weiteren raren
Stücken aus dieser Schaffensperiode auf der
„Atemlos 2“-CD.
19
Stücke, teilweise instrumental, teilweise mit
(Sprech)-Gesang werden von diesem Silberling
beherbergt. Wie die Musik zu einem alten Gruselfilm
leitet „Urträchte“ das Werk ein.
„Sprecht mit den Maschinen“ wird durch
dramatische Klaviermelodien getragen. Klirrende Sounds
bestimmen „Atemlos II“. Bei
„Madrid“ tritt die Gitarre in den
Vordergrund. Der Gesang erinnert mich besonders bei
diesem Stück an die ersten beiden GEISTERFAHRER-Alben.
Einen richtig flotten Rhythmus hat
„Tiger/Tigerin“. „Der lange
Schlaf 2“ und „Mask“ wirken
wiederum schön schaurig, schummrig und orchestral.
Weitere Highlights sind für mich „Fetus“
und „Bela“, da sie sehr abgedrehte Sounds
beinhalten. Ich weiß nicht warum, aber Track 13
„Agitare prime dell uso 2“ erinnert mich
ein wenig an „Funky Town“ – nur
minimaler
. Sehr interessant finde ich auch die
zahlreichen Anspielungen an gänzlich andere
Musikrichtungen wie Tribal-Drums bei
„Silbersack“ und Marsch/Volksmusik bei
„Maschinen“.
Alben
wie „Atemlos 2“ richtig zu beschreiben ist
gar nicht mal so einfach. Aufgrund der
Instrumental-Passagen erscheint das Album wie der
Soundtrack zu einem düsteren Gruselfilm mit
unheimlichen Bildern. Durch Einsatz von Gitarren und
monotonem Gesang bekommt das Ganze jedoch auch einen
sehr wavigen Touch. Die Soundcollagen und eingestreuten
Geräusche lenken das Album in avantgardistischere
Gewässer, wo sich einst auch DIE TÖDLICHE DORIS u.ä.
tummelten. Insgesamt bekommt der Hörer ein Album, dass
man am besten zu Hause, im Dunkeln und an einem Stück
hören sollte. Nur dann entfaltet das Werk seine volle
Wirkung. Erwähnt sei noch das Cover, dass ein total
skurriles und nicht minder geniales Titelfoto ziert.
Für Sammler ist die Scheibe ohnehin ein
Muss.
title: ATEMLOS/RITUAL/IM
NAMEN DES VOLKES
label: NLW
format: cd
details: 22 tracks [NLW005]
Matthias Schuster is in some circles well known for his
work as an electronic musician/composer. He has been
active since the mid 70's (and still is) under various
names and with different formations.
On this cd his early work is collected. Next to
the
Atemlos lp (1981), the
Ritual EP and the
legendary
Im Namen Des Volkes single (from 1979) are
included. This single is an early and true piece of
minimal electronics. Even only for these three tracks
this cd release is interesting. But there is more.
Ritual is, as the title suggest,
ritualistic music consisting of five hypnotic tracks.
The music reminds me a bit of some 60's experimental
electronic music like that of Popol Vuh.
The
Atemlos lp is a thirteen track
counting album that is somewhere between minimal
electronics, experimental music and NDW. Some tracks
are a bit like the pieces on
Ritual while others sound a bit
like early D.A.F. (as on the
Die Kleinen und die Bösen lp). As a bonus the 1998
remix of 'Ritual IV' is included. This is a more
danceable version which completes this selection of
tracks very well.
Atemlos/Ritual/Im Namen Des Volkes
is a very
worthwhile and relevant re-issue. The music featured is
both interesting and enjoyable. This is obscure music
made available again. Recommended
artist: GEISTERFAHRER
title: 3.
JAHRTAUSEND
label: NLW
format: vinyl
details: 7”, 3 tracks
[NLW007]
Probably the most famous musician of this band is
Matthias Schuster. But also as a band, Geisterfahrer
has quite a name in the 80’s wave scene. On this
single there are three tracks that were recorded
between 2000 and 2004.
The A-side is surprising with a heavy techno influenced
sound. Also on the B-side the music seems more or less
inspired by contemporary dance music.
Even though it is nice to hear that Geisterfahrer
doesn’t only look backwards to the past, I prefer
a 80’s wave sound better than this music. This is
the least NLW release so far. But, I am sure the next
one will be very nice again.
Geisterfahrer
3.Jahrtausend-7
(NLW/ SX Distribution)
Eine wirklich historische Aufnahme! Pünktlich zum
25jährigen Bandjubiläum veröffentlicht die Band um
Matthias Schuster (Ich war da, leergebrannt) ihre erste
Single noch einmal: Quasi als Zwilling zum
Original-Release erscheint die Platte mit Neuaufnahmen
der Songs (Keine Remixe!) in weißem Vinyl und mit
weiß-schwarzem Cover. Hatten die Hamburger trotz
Synthie immer einen sehr punkig-rauen Sound, so klingen
jene drei neuen Tracks voll-elektronisch, streckenweise
fast schon technoid. Die Single ist also einmal mehr
Geschmackssache; die alten Fans aus der NDW- und New
Wave-Ära werden wohl noch immer die gitarrenlastigere
Urversion vorziehen - Zuhörer der neueren
Minimal/E-Clash-Richtung werden die Single sicherlich
mehr als die anderen, schrägeren Veröffentlichungen der
Band mögen. Der Sound der alten Helden anno 2005
erinnert kurioserweise sehr an Alien Skull Paint,
Mikron 64 oder auch andere Electro-Bands der ganz neuen
(wievielten
eigentlich!?) Generation an Vintage-Acts. Uwe Marx
Interview mit Matthias Schuster von Kay Wedel
Ein Geisterfahrer auf der Überholspur
GEISTERFAHRER wurden 1979 von Matthias Schuster
(Gitarre, Synthesizer), Michael Ruff (Gesang), Jürgen
Weiß (Violine, Synthesizer, Bass und Hans Keller
(Drums, Bass) gegründet.
Der erste Auftritt fand am 29.06.1979 auf einem von
Alfred Hilsberg organisierten Festival in der Hamburger
Markthalle statt. Ihre erste Single war auch die erste
Veröffentlichung auf dem Hilsberg Label ZickZack.
Vielfach waren sie ihrer Zeit voraus, ob Industrial,
New Wave, oder Gothic, am Ende wurden GEISTERFAHRER zu
einer richtig rockenden Band
.
Mit dem Song “Himmel auf Erden” gab es
sogar einen kleinen NDW-Hit. In wechselnden Besetzungen
wurden bis 1989 insgesamt sieben Alben veröffentlicht,
dann wurde es still um die Band und die Musiker
kümmerten sich um diverse andere Projekte. 2005 wurde
mit “1979-1989” eine umfangreiche
Zusammenstellung der frühen Jahre veröffentlicht, die
erste Single wurde neu aufgenommen und es gab, nach 15
Jahren live Abstinenz, sogar einen Auftritt. Ich habe
Matthias Schuster einige Wochen vorher in seinem Studio
besucht. Geräte soweit das Auge reicht: Synthesizer wie
der Korg Synthesizer MS10, Effektgeräte aus den 70er
Jahren oder ein PC-gesteuertes Mischpult.
Also ich bin ja echt überrascht über so viel Equipment.
Teilweise erinnert das hier ja schon an ein
Museum.
”Das stimmt, diese Multiplay-analoge Bandmaschine
z.B. stammt aus dem LICHTJAHR Projekt. Mit der konnte
man im Ping-Pong Verfahren überspielen, die ist von
1975. Hier steht sie, die Originalmaschine ist jetzt 30
Jahre alt. Aber alle Geräte hier sind miteinander
vernetzt und an einem Pult angeschlossen. Sie
funktionieren und können über Trigger angesteuert
werden.”
Das
Projekt Lichtjahr? Hat damit alles begonnen?
”Ja richtig. Ich habe einmal Kunst studiert und
habe Kunstkram gemacht. Ich dachte mir ich brauche
unbedingt einen Synthesizer und habe dann zusammen mit
Jan Krahn auf Vernissagen gespielt und bei
Theaterstücken, das war beides Lärm. Das Projekt
LICHTJAHR haben wir beide mehr oder weniger erfolglos
jahrelang gemacht. Ich bin dann nach London geflogen
und habe das Virgin angeboten. Die haben dann gesagt so
etwas haben wir schon. Das war so ein bisschen
angelehnt an, etwas krachiger, zwischen CARBARET
VOLTAIRE und TANGERINE DREAM. Nur TANGERINE DREAM war
bei denen unter Vertrag. Da ging aber auch schon der
Punk los. Ich weis noch, im Marquee wollte ich THE
INCREDIBLE STRING BAND gucken, das ist eine Hippieband
vor dem Herrn, die ich aber immer gut fand, und da
stand denn fällt aus, dafür spielen MEAN STREET. Nie
gehört natürlich, aber ich dachte da gehe ich mal rein
(Anmerkung: der Sänger von MEAN STREET Gary Webb
gründete später TUBEWAY ARMY und nannte sich Gary
Numan). Drinnen war das dann echt grotesk, denn ich
wusste gar nichts, so etwas gab es in Deutschland
nicht. Die ganzen Typen mit dem Eisen im Gesicht -
Sicherheitsnadeln durch die Nase. Ich dachte das muss
ein Fake sein, aber das war ja echt. Und dann kamen die
auf die Bühne, schmeißen eine Glasflasche an die Decke,
ein Scherbenregen prasselte auf die Masse und es ging
los, one, two, three, four. Das krasse Gegenteil. Das
war so die Initialzündung. Ich habe gedacht, das ist
total geil. Es war zwar auch irgendwo total Scheiße,
die konnten keinen Ton spielen, aber die Energie, die
dabei rüberkommt, das ist geil. Und das zweite was ich
immer geil fand war, das es jeder machen kann. Ich
hatte mal mit 15 Gitarrenunterricht, das hat mich so
angekotzt, ich habe es nach zwei Monaten geknickt. Aber
ich konnte A, E, C. Das war es, drei Akkorde, mach
‚ne Band. In Hamburg vom Hippiekumpel gleich eine
Gitarre gekauft, eine Telecaster, und gleich am ersten
Tag einen Song geschrieben, natürlich nach diesem
Muster und gedacht, mehr brauche ich nicht: Telecaster,
Minipops. Das war die totale Abkehr zu dem vorherigen,
diesem Kunstkram.”
Also
war dies die Initialzündung?
”Ja! Dabei bin ich 52 und war damals eigentlich
steinalt für Punk. Ich habe danach die BIG BALLS, die
erste Hamburger Punk Band, im Winterhuder Fährhaus
gesehen. Das war Punk aus England, nachgespielt mit
englischen Texten, es war nicht wirklich etwas Neues.
Die fand ich grottenschlecht, aber der Geist ist das,
genau das will ich machen. Dann habe ich Hilsberg
angerufen und gesagt ich spiele da in der
Markthalle.”
...
das legendäre ‚Punk bis zum Untergang’
Festival,...
“Aber es gab nichts zu spielen. Es gab keine
Gruppe. Es existierte nichts, es gab nur mich. Meine
Rhythmusmaschine, meine Telecaster und ich. Und das
Ganze heißt STROMAUSFALL und fertig ist. Zwei Tage vor
dem Auftritt habe ich dann die anderen Leute kennen
gelernt. Hans Keller bei Govi im Plattenladen. Ich habe
ihm erzählt, ich spiele übermorgen in der Markthalle,
da sagte er, ‚Da hätte ich auch Lust zu‘
und ich antwortete, ‚Ja, dann mach doch
mit.‘ Und in diesem Plattenladen arbeitete auch
Jürgen Weiß und der meinte, ‚Ja und ich spiele
Schlagzeug‘, und ich habe gesagt, ‚Dann
mach doch auch mit.‘ Da fragte mich Jürgen
‚Was für Songs gibt es denn?‘ und ich
antwortete, ‚Es gibt keine Songs – wir
gehen da hin und gucken mal.‘ Und daraufhin hat
er gesagt, nee, dann will ich nicht, das ist Scheiße.
Deshalb sind wir dann mit der Rhythmusmaschine
aufgetreten.”
Michael
Ruff und Holger Hiller (gründete später PALAIS
SCHAUMBURG) waren auch mit dabei...
“Hans wohnte in einer WG, zusammen mit Alfred
Hilsberg und Holger Hiller, der dann gesagt hat, Nee
dann will ich auch mitspielen. Der war dann auch mit
dabei. Michael Ruff habe ich auch zufällig, wieder in
einem Plattenladen, kennen gelernt:’ ich habe
gehört du machst da was in der Markthalle, da würde ich
ja gerne mitmachen.’ Ich:’ Ja was machst du
denn so.’ Er: ‚Ja ich schreibe
Texte.’ Er gab mir da ein Buch in die Hand,
gebunden und so. Das waren alles großartige Texte, ich
habe es heute noch, das steht hier unten. Na ja, wir
haben gedacht, jetzt passt der Name STROMAUSFALL nicht
mehr. Lasst uns mal GEISTERFAHRER nehmen. Damals bin
ich nebenbei Taxigefahren. Ich hörte das immer in den
Verkehrsmeldungen und dachte, das ist ein guter Name,
deutsche Tradition wie KRAFTWERK und jeder kennt das,
auch im Ausland, aber keiner weis was es ist. In
England waren später Kritiken im NME, da stand dann
Master Of Mind oder irgend so etwas. Das klang so
völlig esoterisch, die Platte wurde umschrieben mit
‚das klingt so, als ob man das Rauschen der
Wälder im Schwarzwald hört’, Ha, ha ,ha.”
Euer
Auftritt vor tausend Punks geriet zum Fiasko, mit
selbstgeklebten Bandschlaufen ...
Wir sind gesteinigt wurden, beim ersten Gig flogen
Glasflaschen auf uns. Man hatte uns den Strom
rausgerissen, denn wir hatten Stücke, die Stücke die
hießen”Simpel 1” jetzt kommt ”Simpel
2”. Nur Krach. Ha, ha, die Leute haben gebrüllt,
‚Aufhören, Scheiße, ihr Wichser‘.”
Aber
zumindest gab es eine Reaktion.
”Ja, das ging bis in die Boulevardpresse, dort
stand dann: ‚Punkkonzert wurde Strom
abgedreht’. In den einschlägigen Fanzines die für
uns waren stand, ‚die ekelhafteste Erscheinung
des Abend waren ein Retortenprodukt aus Hamburg: die
Geisterfahrer‘. Die haben uns gehasst, die eigene
Szene hat uns gehasst und die große Szene sowieso, aber
wir waren die einzigen, die ein Echo erhielten. Am
nächsten Tag riefen RCA an und Teldec, wir hätten jedes
machen können. Dann kamen Radio und Fernsehen. Wir
waren bei der NDR-Talkshow mit Achim Reichel und Bauer,
Garn und Dyke. Die uns auch gesagt
haben‚’Ihr seid Cretins, ihr habt keine
Ahnung von Musik‘ ha, ha, ha. Dieses gehasst sein
– das ist dann aber später umgeschlagen in
Fansein. Wir haben später dann eine Tour mit LEATHER
NUN gespielt und die Leute haben gekreischt und
Geisterfahrer gebrüllt, den Tourbus belagert und so
weiter. So etwas hatte ich bis dahin noch nicht erlebt.
In der Endphase kündigte uns Alan Bangs im Radio als
Deutschlands beste Rockband an. Da haben wir uns dann
am Kopf gekratzt und gesagt, jetzt müssen wir wohl mal
die Notbremse ziehen, sonst müssen wir noch im
Rockpalast spielen. Jetzt sind wir wohl langsam richtig
Scheiße.”
Ihr
hattet in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterrolle. Nicht
nur musikalisch, schließlich gingen GF als erste
Zickzack Band zur Industrie.
”Es gab eine heftige Debatte bei GF sollen wir
das machen und zu Phonogram gehen, schließlich waren
wir die erste Band auf Zickzack. Wir waren Zickzack
001, die erste Single. Hilsberg hat immer gesagt, ich
zahle gar nichts. Ich zahle euch auch kein Midi-Studio,
ihr habt ja ein Studio. Und das war ich leid, Ich habe
gesagt, ich mache das jetzt schon seit 5 Jahren ohne.
Vor GF konnte man das machen, denn Synthesizer klingen
auch so gut. Aber ich will einen Drumsound haben denn
ich habe einen Drummer und will nicht diesen
Schlafzimmersound. Ich möchte so einen Hall auf der
Snare haben, ich möchte dass das geil klingt, und
deswegen bin ich zu Phonogram. Ich habe Bock das was
losgeht. Ich will einen Standard erfüllen. Später habe
ich zwar wieder Sachen gemacht, da habe ich gesagt ich
will Schlafzimmersound, aber in dem Moment wollte ich
es nicht. Deswegen müssen wir da hin gehen, nicht wegen
Geld.”
Aber
Geld gab es dann doch auch, oder?
“Wir haben irgendwie pro Platte 5.000 Mark
bekommen und denn gab es noch, gut das heutige Studio
ist von Phonogram, die haben eine Otari (Bandmaschine)
ausgeschüttet, Mischpulte, die haben schon Geld
rausgetan aber nicht in Form von Schecks oder so. Kohle
gab es erst zu NDW-Zeiten.”
Auch
ja, Ihr hattet ja mit ”Himmel auf erden”
von dem 1981er Album “Fest der vielen
Sinne” einen richtigen Hit.
”Wir wollten es nicht auf der Platte haben. Wir
damals sehr um eine gewisse Ernsthaftigkeit und
Dunkelheit bemüht und plötzlich war das Ding da.
”Himmel auf erden” war der erfolgreichste
Geisterfahrersong. Den hätten wir nie herausgebracht.
Wir haben das im Studio so funmäßig gemacht. Der
einzige der dafür war, das war Tommy Richter der
Labelmanager, der meinte das ist dass geilste, das ist
super gut. Michi fand das auch gut, er hatte auch schon
einen Text ”Himmel auf erden”. Jürgen und
ich, wir haben uns mit Händen und Füssen dagegen
gewehrt. Wir haben gesagt, du bist wahnsinnig, das ist
dass schlechteste, was wir je gemacht haben, das ist
jetzt wirklich fast NDW – und prompt war das ein
Hit. Wir waren dann plötzlich auch auf den Dingern mit
TRIO, KONDITORS, NENA und der SPIDER MURPHY GANG drauf.
Später hieß es dann, eigentlich sogar bis heute, ja GF
das ist NDW. Dabei hatten wir später Englische Texte,
wir wollten wir uns eben von dieser NDW-Scheiße streng
abgrenzen. Michi, das muss man zugestehen, schreibt
bereits seit 1970 englische Texte.”
In
eurem Bandinfo schreibst du: ‚in Radiointerviews
wurden wir mit Bands wie GIANT SAND etc. verglichen,
deren Namen ich noch nicht einmal kannte.‘
”Den kannte ich auch nicht. Das Kranke war ja,
das Michi, Michael Ruff, der kannte alles und ich
kannte nix. Das muss ich schon sagen. Ich kannte Anfang
der Achtziger Jahre auch alles aber aus dem Industrial
und Elektronik Bereich. In den Endachtzigern, als wir
viel getourt haben, da kannte ich keine Bands und auch
keine Labels, SST und wie sie alle hießen. Und wenn es
einen Interviewtermin gab, dann hat er mich dahin
geschickt und ich saß da doof. Ihr werdet ja mit GIANT
SAND und so und so verglichen – kenne ich nicht.
Ja, aber ihr seid jetzt die amerikanisch-deutsche Band
und in dem und dem Lied singt ihr ja – tut mir
Leid, ich mache die Texte nicht, ich habe da keinen
Plan von. Ich habe diese Bands nie gehört, ich spiele
einfach Gitarre und mache irgendwas.”
Was
sagst du zu dem Gerücht, das Intro von NIRVANAS
”Come as you are” stammt nicht von dem
KILLING JOKE Song ”Eighties” sondern hier
stand ”Mein Kind” von GEISTERFAHRER Pate.
”Ja, das Gerücht gibt es. Es gibt das Gerücht,
dass Cobain, als er auf Tour war, das gehört hat. Aber
es gibt auch das Gerücht, das Stück klingt ja nach
KILLING JOKE. Ich kann das ganze ja eigentlich auch
zugeben: diese Stück ist inspiriert, nicht von KILLING
JOKE, sondern von, wie hießen die noch, ähm MODERN
ENGLISH. Aber es ist nicht gecovert. MODERN ENGLISH war
damals auch so eine Düsterband, da sind wenn man so
will einige Parallelen, aber nicht 1:1 geklaut. Also
man kann sagen, wir haben das daher und jetzt gibt es
das Gerücht, das Cobain das wieder von uns hat. Das ist
Unsinn. Wenn man so will, kannst du jeden Titel
auseinander pflücken. Damals wurde uns zum Beispiel
vorgeworfen das auf der Scheibe ist JOY DIVISION. Das
ist Quatsch. Natürlich finde ich die geil, da mache ich
auch kein Hel draus, aber ich habe nie JOY DIVISION
nachgespielt - alleine der Gesang, wie kann ich Curtis
nachsingen.”
Beim Hören der Kompilation CD ”Geisterfahrer
1997-1989” sind mir die ganzen Einflüsse
aufgefallen. Neben JOY DIVISION höre ich auch GANG OF
FOUR, CURE, P.I.L. und KILLING JOKE heraus. Alle diese
Bands sind später groß herausgekommen. Anfang der
achtziger sind ja auch einige Bands aus Deutschland
nach England gegangen und wurden dort bekannt, wie z.B.
D.A.F. oder X-MAL DEUTSCHLAND. Ihr seit aber einen
anderen Weg gegangen.
”GF waren die totale Verweigerung. Wir konnten
auch gar nicht. Keiner konnte wirklich gut spielten.
Wir sagten, nee, wir wollen nicht auf Tour gehen, wir
wollen nicht spielen. Wir hatten aber hinten solche
Maschine und die haben immer gesagt, warum spielt ihr
nicht, wir bezahlen euch das. Ihr könnt ganz Europa
abtouren. Und wir sagten, wir haben aber keinen
Bassmann und dann sagte Tommy, gut hier ist ein
Bassmann im Haus, der hat bei den BEATLES gespielt und
bei George Harrison: Klaus Vormann, der hat später TRIO
gemanagt. Ich habe gesagt, ja, mach mal ruhig. Dann kam
er an, ja Klaus findet das geil, will er machen. Wir
haben es nicht gemacht, wir haben Schiss gehabt oder
was auch immer. Wir haben gesagt, ne wir haben jetzt
Erdem. Erdem das ist ein Freund von uns gewesen. Der
konnte wieder kein Ton spielen, war aber sehr nett und
ein guter Typ. Er hat es sich auch schnell
raufgeschafft, und war nachher wirklich geil, aber bis
er geil war da waren wir längst bei Phonogram weg. Und
das geht so bis heute. GF war immer ein Projekt, von
Anfang an. Wir haben uns nie gegründet. Wir haben das
gemacht und dann blieb das auch Zufall. Es gibt keine
GF Platte die gleich besetzt ist. Es war immer ein
offenes Ding und dadurch haben wir uns bis heute auch
nicht aufgelöst. Und jetzt mache ich es wie früher, ich
buche die Halle und sage ich spiele da, aber es gibt
die Band gar nicht. Ich habe jetzt einen noch
unbestätigten Date im September, da spiele ich, da bin
ich GF. Dann gucke ich, so einer wie du oder
irgendeiner der mir über den Weg läuft macht dann mit.
Ich finde das spannend, zu sagen es gibt nichts, es
gibt keine Band, es gibt keine Stücke.”
Ich
muss sagen ich finde diese Haltung sehr sympathisch
”Eigentlich denkt man ja, das entwickelt sich
immer weiter. Wenn man das Jahre nicht gemacht hat und
hört sich jetzt die Kompilation an, dann bleibt auch
nur die erste und zweite übrig. Da würde ich sagen:
richtig geil. Der Rest war zwar auch in Ordnung,
musikalisch war ich da zehnmal so gut, aber es ist
trotzdem normaler Rock. Es fehlt dieses etwas.
”Schatten Voraus” ist unsere beste Platte,
unsere tiefste. Die Platte ist stümperhaft aber
intensiv. Die erste Platte ist halt völlig aus dem
nichts heraus entstanden. Keiner konnte ein Instrument
halten. Der einzige der spielen konnte war Jürgen der
Drummer. Die ersten Platten sind eigentlich Jürgen und
ich: Schlagzeug/Gitarre ohne Bass. Wir haben uns
Freitags im Studio getroffen, gesoffen und dann ging es
los: drauflosgespielt und dabei ohne Ende alles
aufgenommen. Aus dem Aufgenommenen haben wir dann im
weitesten Sinne herausgeschnitten, was geil war. So ist
das entstanden. Eigentlich waren GF nur für eine kurze
Phase eine richtige Band. Die letzten Platten sind dann
wirklich in der Gruppe entstanden. Da haben wir richtig
mit 5 Mann geübt und konnten auch so auf die Bühne. Das
waren richtig komplexe Sachen. Wir waren eine richtig
gute Band, aber zuletzt war es abgenudelter Kram.
“G-Far-I” das letzte GF-Album ist
größtenteils Schweinerock. Das ist gut gespielter
Schweinerock, mittlerweile konnten ja auch spielen.
Aber da macht man sich keine Gedanken. Ich hatte auch
Bock zu rocken, auch live. Wir haben wie die blöden
gerockt. Wir waren eine total eingespielte Band. Wir
hätten wirklich zum Rockpalast gehen können, wir wären
da nicht durchgefallen.”
GEISTERFAHRER
haben bis 1990 sieben Alben veröffentlicht, daneben
gibt es von dir diverse Soloprojekte. Du arbeitest aber
auch als Produzent und hast bei über 150 Produktionen
mitgewirkt.
”Also was ich gemacht habe, da komme ich alleine
auf etwa 30 Tonträger. GF, das ist wenn man so will ein
Strang. Dazu kommen JEANNETTE und das LAND Z, das war
Disco, heute würde man das Easy Listening nennen.
Danach habe ich BAL PARE gemacht, das kennst du
wahrscheinlich nicht, das ist so DEPECHE MODE oder
Synthie-Pop. Im weitestes Sinne ist jetzt das INSTITUT
eine Fortführung von BAL PARE. Das INSTITUT ist tiefer.
Durch die Frauenstimme ist es zwar BAL PARE näher, aber
es hat auch dieses dustere, elektronische, dunkel
elektronische Seite von GF. Ich habe auch eine
Kunstplatte gemacht mit Büttner/Oehlen. Oehlen kennst
du vielleicht. Markus Oehlen war der Schlagzeuger bei
MITTAGSPAUSE und das war auch so ein Ding. Das ist Kult
geworden, das ist plötzlich Kunst. Zuerst hat sich
überhaupt nicht verkauft und plötzlich ist so etwas
heiß begehrt, wie die ganzen alten Zickzack Sachen. Die
150 kommen dann noch einmal oben drauf, das sind dann
Sachen wie KOSMONAUTENTRAUM, ABWÄRTS, DORAU,
OSTZONENSUPPENWÜRFEL, CHOCOLATE FACTORY, Berge eben.
Ich habe z.B. damals ”Auto-da-fe” von SPK
für Walter Ulbricht Schallfolien gemastert. Das haben
die ihm damals quasi geschenkt. Und da hat er gesagt du
bekommst von mir auch kein Geld, du bekommst für den
Job den du da machst dreißig Platten geschenkt. Ich
habe die dann auch verschenkt. Heute liegen die bei 100
Euro oder noch mehr. Wenn man sich die dreißig so
eingeschweißt hingestellt hätte, könnte man die jetzt
gut einzeln abstoßen.”
Hast
du auch Industrial gemacht?
”Ja wir haben Tonnen von Industrial gemacht. Die
Phase nach GF. Ich habe immer Tonnen von Musik gemacht.
Es gibt zwei Schienen, die Songschiene und dann machen
wir auch im weitesten Sinne Ambient oder auch
Industrial. Wahrscheinlich kommt jetzt eine CD auf Dom
Elchklang heraus und das ist dann so eine Mischung mit
sehr schweren Beats - quasi Technoartig mit Industrial,
das sehr rhythmisch und krachig. Das repräsentiert für
uns die Neunziger– das ist ganz klar GF. Völlig
Synthetisch. Auf dieser GF-Kompilation gibt es den Song
“Monster” - total elektronisch, auch die
Beats. Ich wollte immer harte Gitarren mit Elektronik
mischen das war auch schon bei STROMAUSFALL so. Das
zieht sich wie ein Strang durch alles durch. In der
Endphase von GF fand ich das super, alleine dieses
Können, das Gefühl dass ich das kann, dass wir
plötzlich einen Wall of Sound hatten. Du gehst auf die
Bühne und wirst weggeblasen nur hinten von der Anlage
– und das war Rock’n’Roll. Irgendwann
wurde mir das dann aber doch zu rockig und ich habe
gesagt ich will jetzt wieder Elektronik da rein haben.
Daran ist GF zwar nicht zerbrochen, aber ich würde
sagen zerbröselt. Das war dann so, wir waren nicht mehr
im Bunker, keiner hatte da mehr Bock drauf und ich habe
Sessions gemacht mit Andy oder Marco. Da kamen gute
Sachen bei raus aber es fehlte die Energie, weil die
Leute nicht mehr geballt zusammen waren. Hier ein House
Einfluss, ein bisschen Acid, da ein bisschen
Industrial, es war alles einzeln. Die Beats kamen aus
den Maschinen, Jürgen hat sich mehr oder weniger
gelangweilt. Es ist zerfasert. Später in den Neunzigern
bin ich mit Jürgen wieder auf den Punkt gekommen, das
war auch nicht zerfasert, das war richtig geil. Aber es
gab irgendwie keinen Markt. In den Neunzigern war mein
Interesse ziemlich erlahmt. Ich habe dann Werbemusik
gemacht und Kinospots vertont. Aber ich habe nie
richtig Geld dafür gesehen. Da habe ich gesagt ich will
auch mal ein bisschen Geld dafür sehen, nicht reich
werden aber ein bisschen Geld und das war damit
gegeben. Die Spots waren etwa 25 Sekunden lang und
dafür gab es dann 1.000 Mark.”
Machst
du das noch immer?
”Nein, ich habe das ein paar Jahre gemacht. Alles
mit Timecode und SMPD, das war nervenaufreibend, die
Hälfte der Zeit verbrauchte man mit irgendwelchen
Briefings.”
Was
heist SMPD?
”Timecode? Damals war das ja noch mit Video, Man
kriegte eine Videokassette und da war der Film drauf
mit einem Timecode und dann musste man die Computer und
die Maschinen dazu synchronisieren. Das ganze nennt
sich dann SMPD Timecode. Es lief dann der Film und ich
habe dazu gespielt aber immer nur diese 25 Sekunden.
Die meiste Zeit über war man auf irgendwelchen
Briefings und Sitzungen wo dann immer gesagt wurde,
wollen wir das denn nun so und so. Irgendwann
langweilte mich das. Ich bin wieder zurückgegangen, im
weitesten Sinne in den Bandsektor. So habe ich auch
meine Freundin Traute kennen gelernt. Das war HERBST,
die habe ich produziert. Das war Kammerrock so mit
Cello und Geigen, dann habe ich auch wieder Punk
gemacht, BAZOOKAS aus Hamburg, SABOTAGE O.C.O.C. aus
Frankfurt, Techno FORTIFICATION. Dann wurde das
INSTITUT gegründet. Ich mag so deutsche Namen wie
Kraftwerk, Geisterfahrer, Stahlnetz. Die erste Platte
kam 1998 raus.”
Fühlst
du dich als Musiker oder bist du ein Mann der im
Hintergrund der die Fäden zieht?
”Ich bin der unbegabteste Labelchef. Wenn ich
sage ich mache jetzt ein Label, dann ist Ende, denn ich
mache keine Musik mehr. Ich habe jetzt wieder ein
Label, das Archiv und wenn da eine Platte rauskommt,
das bereitet mir richtig Stress. Ich muss das Presswerk
anrufen, usw., ich bin Musiker und will Musik machen
und nicht diesen Bürokram. Zumal ich genau weis, ich
verdiene dabei kein Vermögen dran, denn ich mache davon
500er Auflagen. Auf der anderen Seite habe ich mich nie
als Musiker gefühlt. Ich kann alles spielen, aber
nichts perfekt. Ich habe auf der ersten Platte bei
einem Stück, ”Vertrauen”, am Schlagzeug
gesessen, aber nicht weil ich das wollte, sondern weil
ich nicht die Gitarre spielen konnte, die ich mir
ausgedacht hatte. Jürgen war ein Super Drummer aber er
konnte eben auch dieses Riff spielen und da haben wir
gesagt, wir tauschen einfach. Mit Jürgen war ich dann
später so eingespielt, dass wir Stücke wie
”Blumen” einmal gespielt haben und alle
Breaks saßen. Da haben alle Leute gedacht, das müsst
ihr tausendmal geübt haben. Das ist eine
Übereinstimmung die ich mit Jürgen immer hatte. Seit
1979/80 machen wir zusammen Musik. Nur jetzt trommelt
er nicht mehr, jetzt sitzt er dort hinten am
Synthesizer und ich hier. Seit 15 Jahren machen wir
hier in diesem Studio Lärm. Wir steuern irgendwelche
Samples oder Kram an. Hinterher werden Sachen am
Computer geschnitten. Es ist aber immer noch der
GF-Geist – Elektro-Punk oder wie man das nennen
will. Ein bisschen so wie die neue Single, die Weiße,
da ist er ja auch mit dabei.”
Dein
Label, dein Studio, GF, das Institut, was treibt dich
eigentlich an?
“Meine Freundin Traute gibt hier im Studio
Gesangsunterricht, das ist sozusagen die Tagschicht und
ich mache die Nachtschicht. Ich habe Techno gemacht und
Lounge Sachen gemastert. Das mache ich vielleicht zwei
Jahre lang, aber dann sage ich auch, so jetzt reicht
es, ich kann jetzt kein Lounge mehr hören. Wenn ich so
etwas fünf Jahre machen würde, da werde ich doof bei.
Letzte Woche habe ich hier Rock gemacht, das war sehr
erfrischend und das ist eigentlich dass geilste, dieses
vermischen. Immer wieder neue Sachen. Das ist spannend.
Bei GF wusste man später schon wie die nächste Platte
klingt. Am Anfang war das noch anders. Da ist man nicht
mit fertigen Stücken ins Studio gegangen, sondern nur
mit Fragmenten. Eine Grundstimmung war da, aber wir
haben was zusammengebastelt. Das war für mich das
interessante, das Dilettantentum. Mittlerweile kann ich
eine ganze Menge, aber ich versuche oft mich so weit
wie möglich zurück zunehmen. Die Musik so Minimal wie
möglich zu halten.”
Kay
Wedel